Abstract des Vortrages vom 30. Juni 2006; Workshop an der TU Berlin: Nanotechnologie im Fokus sozialwissenschaftlicher Forschung am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) der TU Berlin
Petra Schaper-Rinkel
Nanotechnologie wird durch spezifische Diskurse strukturiert, die die Grenzen des Technologiefeldes bestimmen (Einschlüsse und Ausschlüsse), die Voraussetzungen für den industriellen Einsatz von Nanotechnologien schaffen (Regulierung, Standards) und durch die aus der Vielfalt abstrakter Möglichkeiten erst konkrete Optionen ausgewählt werden (Forschungsprogramme).
Nano-Zukunftsdiskurse entwerfen Szenarien, die von einer grünen, solarbasierten industriellen Nanorevolution bis zur Zerstörung der Ökosphäre durch Nanotechnologie reichen. An den Rändern wissenschaftlicher Disziplinen wird kontrovers erörtert, wo das technisch Machbare mittelfristig endet - was noch Wissenschaft ist und wo Science Fiction beginnt. Interdisziplinäre Risikoforschung und Institutionen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes nähern sich in öffentlich geförderten Foren der Frage, wie Standards entwickelt werden können und welchen normativen Anforderungen diese entsprechen sollen. In nationalen und internationalen Gremien werden Terminologien für Nanotechnologien und -materialien erarbeitet, um Normen festzulegen.
Diese heterogenen Diskurse sind durch politische Diskurse verbunden, in denen die Rahmenbedingungen und Spielregeln verhandelt und verbindlich geregelt werden. Politische Diskurse sind zentral für die Zuweisung von öffentlichen Ressourcen, für die Aushandelung unterschiedlicher Interessen (z.B. Industrie, Verbraucherschutz, Umwelt-NGOs) sowie für die Herausbildung von Governance-Strukturen, innerhalb derer die zukünftige Entwicklung der Nanotechnologie organisiert wird.
Die Verbindungen von heterogenen Nanodiskursen und die Rolle und Funktion von politischen Diskursen werden anhand dreier Dimensionen dargestellt: Erstens wird gezeigt, wie sich das heutige Feld der Nanotechnologie im Diskursverlauf der letzten Jahrzehnte herausgebildet hat. Zweitens wird die Struktur und Koppelung von Diskursen analysiert und drittens werden die wechselseitigen Einflüsse und damit die Dynamik auf dem Feld dargestellt.
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